LPR 23 Fachkräftemangel
By Manuel Carrasco Molina
May 19, 2023
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LPR 23 Fachkräftemangel
Manu

Ohne Fachkräftemangel würde ich nicht vor euch stehen. Ich bin in Deutschland seit 20 Jahren, aber geboren bin ich in Belgien. Meine Eltern sind aber beide in Spanien geboren, und am 26. Oktober '56 sind sie gemeinsam mit ihren Eltern, also mis Abuelos y mis Abuelas im Alter von acht und zehn Jahren nach Belgien gekommen.

Meine beiden Opas haben sich gewagt, in der Tiefe der Kohleminen zu arbeiten, wo ein paar Wochen vorher Hunderte Gastarbeiter gestorben waren. Dasselbe hatten viele Italiener vor uns gemacht. So kommt es, dass heute circa eine halbe Million Italiener in Belgien leben und auch viele aus der zweiten und dritten Generation zum Beispiel in der Politik präsent sind.

Eine vergleichbare Geschichte kennen viele Menschen in Deutschland. Ohne Gastarbeiter wäre unser gemeinsames Deutschland, unser gemeinsames Europa, unsere unteilbare Erde nicht das Gleiche, denn was macht es für einen Unterschied, woher eine Fachkraft kommt? Ganz egal, ob sie in den 50er Jahren in einer Mine arbeitet oder in einem Krankenhaus im 21. Jahrhundert operiert.

Der Punkt ist: Wenn wir aus einer unvorteilhaften Situation für beide ein Win-Win Ergebnis erreichen möchten, dann ist es so, dass wir nicht nur unsere Portemonnaie, sondern auch unsere Herzen öffnen müssen. Im Klartext ist es auch so, dass, wir unsere Gesetze und Bürokratie so vereinfachen müssen, dass wenn Menschen zu uns kommen wollen oder müssen, wir auch bereit sind, sie aufzunehmen, egal ob wegen Arbeit oder weil sie von uns geschützt gehören.

Insofern bin ich den Wählern vom letzten Jahr extrem dankbar, dass sie uns so viel Platz im Landtag organisiert haben, denn ohne Grüne würde das Thema Fachkräftemangel oder auch Hilfe an Bedürftige nicht mit der notwendigen Priorität behandelt. Der Antrag gibt Antworten dazu, aber auch zu anderen Themen und Problemen, die nichts mit Migration zu tun haben.

Das Thema Digitalisierung/KI ist mir zum Beispiel auch wichtig, wobei wir natürlich immer aufpassen müssen, wie wir KI einsetzen. Deswegen sind auch die Anstrengungen, das Thema in Europa und anderen Ländern zu regulieren so wichtig, denn dass es manche Jobs in der Zukunft nicht in der gleichen Form aufgrund der Digitalisierung geben wird, das ist ziemlich klar.

Dass man damit hoffentlich unser aller Arbeitszeit reduzieren könnte, etwa auf eine 32-Stunden Woche, ist mehr als wünschenswert. Trotzdem gibt es Jobs, wo es extrem wichtig ist, dass es weiterhin menschlichen Kontakt gibt. Dass man zum Beispiel in der Pflege für das Heben von Personen Maschinen benutzt, ist ein positives Beispiel.

Viele von uns haben im Leben mehrere Karrieren gehabt, manche waren zuerst Lehrer, dann Politiker, andere waren zuerste an einem Schreibtisch dann acht Stunden aktiv unterwegs. Auch im Handwerk braucht es diesen Wandel hin zu erneuerbare-Energie Branchen. Außerdem sollen wir bei Produkten wie Photovoltaik-Modulen wieder in Deutschland oder zumindest in Europa produzieren, damit wir uns nicht wieder vom nächsten Despoten abhängig machen.

Unabhängig von Kohle, Gas und Diktatoren, das geht nur mit Fachkräften.

Danke schön.