fragen@simon_nestler
By Thomas Staehelin
November 2, 2022
0:00 / 4:05
Thomas Staehelin00:04

Heute bin ich hier mit Simon Nestler. Er ist Informatiker und Usability und User Experience Spezialist, Professor für Mensch Computer Interaktion an der Technischen Hochschule Ingolstadt, selbst Unternehmer in dem Feld und man könnte schon fast sagen, vielleicht auch neudeutsch und frech, Evangelist für Menschen zentrierte Digitalisierung. Hallo Herr Nestler welche Fragen sollten wir uns stellen?

Simon Nestler00:29

Ja, hallo auch von meiner Seite. Ja, die Frage, die sich natürlich stellt bei Menschen-zentrierten Digitalisierung, ist die Frage, wie sie denn sind, die Menschen. Häufig digitalisieren wir und wenn wir ganz ehrlich sind, dann haben wir manchmal uns selbst im Kopf und denken wie müsste die Lösung denn aussehen, das sie für mich funktioniert und ein Teil der Wahrheit ist, aber dass nicht alle Menschen sind wie ich, sondern es gibt Menschen, die haben ganz besondere Anforderungen ganz besondere Voraussetzungen, dass Digitalisierung für diese Menschen funktioniert. Ich würd sogar sagen fast jeder Mensch hat besondere Anforderungen, dass er mit digitalen Werkzeugen umgehen kann, und mensch zentrierte Digitalisierung beschäftigt sich damit, zu sagen, welche Voraussetzung, welche Anforderungen gibt es denn eigentlich bei der bestimmten digitalen Lösung

Und diese Reflektion darüber nachzudenken, was muss ich können, was muss ich beherrschen? um damit umgehen zu können, weitet dann meinen Blick, um auch zu sehen, wen schließlich vielleicht aus. Also muss ich in der Lage sein, Texte zu verstehen, muss ich auch in der Lage sein, vielleicht deutsche Texte zu verstehen?

Muss ich in der Lage sein, das zu sehen, was am Bildschirm ist, muss ich in der Lage sein, eine Maus zu bedienen, muss ich in der Lage sein, auf einer Tastatur tippen zu können und, und, und. All diese Fragen nehmen wir mit rein und wenn wir über Buzz word sprechen, dann geht es vielleicht um Barrierefreiheit, dass wir sagen, wir wollen die Barrieren einer solchen Lösung reduzieren.

Es geht aber auch um Gebrauchs -Tauglichkeit. Also wie gut kann ich dann auch nicht mit einer solchen Lösung dann meine Ziele letztendlich erreichen und das ist alles zusammengefasst in diesem Themenkomplex der Mensch-zentrierten Digitalisierung. Und das Spannende ist, wenn wir anfangen, über Mensch zentrierte Digitalisierung zu sprechen, dann merken wir, dass Digitalisierung hier häufig, erst mal so was, wie gesetzt ist. Es erscheint manchmal auch als Selbstzweck. Wir sagen Okay, wir wollen jetzt digitalisieren und dann erscheint uns im ersten Blick das Digitalisieren schon als Ziel. Aber das gar nicht unser Ziel. Sondern unser Ziel ist ja, dass Menschen, was machen können, dass Menschen Dienstleistung des Staates in Anspruch nehmen können. Diese Reise von der Mensch-zentrierten Digitalisierung führt uns dorthin, dass wir uns fragen Wie sieht eigentlich die ideale Interaktion zwischen Bürgerinnen und Bürgern und dem Staat aus? Und das kann eben durchaus analog sein, und das kann digital sein. Das heißt, wenn wir über Mensch zentrierte Digitalisierung sprechen, kann es auch sein, dass wir am Ende mit ganz klassischen analogen Lösungen aus diesem Prozess rausgehen und sagen Okay, wir brauchen mehr Öffnungszeiten in unseren Bürgerämtern, oder wir brauchen vielleicht auch eine bessere Telefonhotline oder wir brauchen vielleicht auch eine bessere Begleitung der Menschen vor Ort. Dass die gar nicht erst ins Zentrale Rathaus kommen müssen. Und all das ergibt sich, wenn wir uns wirklich stärker mit den Menschen beschäftigen und auch mit den Motiven der Digitalisierung auseinandersetzen. Das ist eben dieser Themenkomplex, für den ich werbe, für den ich auch die öffentliche Verwaltung motivieren möchte, sich damit wirklich methodisch fundiert auseinanderzusetzen, weil nur so schaffen wir am Ende des Tages dann digitale Produkte, die auch tatsächlich von den Bürgerinnen und Bürgern genutzt werden, weil sie unsere echten Probleme lösen.

Thomas Staehelin03:54

Vielen Dank, Herr Nestler, das heißt also, wir sollten uns eigentlich neuen Fragen stellen und nicht die Stereotypen beantworten Danke schön.